Führungs­kräfte-Feedback

Orientierung vermitteln, Entwicklung koordinieren

Führungskräfte prägen den Alltag einer Organisation stärker als jede Strategie auf dem Papier. Trotzdem bekommen viele von ihnen kaum strukturiertes Feedback darüber, wie ihr Verhalten wirkt. Unserer Erfahrung nach erhalten in den meisten Organisationen weniger als ein Drittel der Führungskräfte regelmäßig systematische Rückmeldungen jenseits des Jahresgesprächs. Führungskräfte-Feedback schließt diese Lücke: Es macht sichtbar, wie Führung wahrgenommen wird, wo Stärken liegen und wo Entwicklung ansetzen kann.

Welches Format passt zu Ihrer Organisation?

Führungskräfte-Feedback ist nicht gleich Führungskräfte-Feedback. Das richtige Format hängt davon ab, welche Perspektiven einbezogen werden sollen und welches Ziel im Vordergrund steht. Grundsätzlich gilt: Je mehr Perspektiven einfließen, desto vollständiger wird das Bild, aber desto höher ist auch der Koordinationsaufwand und die Durchführungsdauer.

360-Grad-Feedback

Die umfassendste Variante: Rückmeldungen kommen von Mitarbeitenden, Kolleginnen und Kollegen auf gleicher Ebene, der eigenen Führungskraft und ergänzt durch eine Selbsteinschätzung. Geeignet, wenn ein vollständiges Bild der Führungswirkung entstehen soll.

270-Grad-Feedback

Wie das 360-Grad-Feedback, aber ohne die Vorgesetzteneinschätzung. Sinnvoll, wenn der Fokus auf der Zusammenarbeit mit dem eigenen Team und den Peers liegt.

180-Grad-Feedback

Nur zwei Perspektiven: Selbstbild und Fremdbild durch die eigenen Mitarbeitenden. Schlanker in der Durchführung, gut geeignet als Einstieg oder bei regelmäßiger Wiederholung.

Aufwärts-Feedback

Ausschließlich die Perspektive der Mitarbeitenden, ohne Selbsteinschätzung. Das niedrigschwelligste Format und oft der einfachste Weg, Führungsfeedback in einer Organisation zu etablieren.

In der Praxis ist das 180-Grad-Feedback das häufigste Format. Welches Modell das richtige ist, hängt weniger von der Theorie ab als von der Feedbackkultur und dem Reifegrad der Organisation.

Wellenlogik oder individueller Prozess?

Führungskräfte-Feedbacks lassen sich grundsätzlich in zwei Logiken organisieren. Welche passt, hängt davon ab, wann und wie oft die Ergebnisse gebraucht werden.

Wellenbasiert (Projektlogik)

Ausgewählte Führungskräfte, bestimmte Bereiche oder Hierarchieebenen durchlaufen das Feedback in einem definierten Zeitraum. Planung, Kommunikation und Auswertung laufen zentral. Eine Welle dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. Das ergibt ein einheitliches Bild für die teilnehmende Gruppe und eignet sich gut, wenn Ergebnisse übergreifend verglichen oder an einen unternehmensweiten Entwicklungsprozess angebunden werden sollen. Typisch: ein bis zwei Wellen pro Jahr.

Wellenbasierte Feedbacks passen besonders dann, wenn Führungskräftegespräche in der Organisation in einem festen Zeitraum stattfinden und die Ergebnisse als Grundlage dafür dienen sollen.

Kontinuierlich (Systemlogik)

Führungskräfte wählen den Startzeitpunkt ihrer Befragung selbst und stoßen einen individuellen Prozess an. Das Feedback wird Teil des persönlichen Entwicklungszyklus statt eines zentralen Projekts. Das ergibt maximale Flexibilität und Eigenverantwortung, setzt aber voraus, dass die Organisation einen Rahmen definiert: Wer nimmt wann teil? Wie wird sichergestellt, dass alle Führungskräfte das Instrument nutzen? Wie werden Ergebnisse auf übergeordneter Ebene sichtbar?

Kontinuierliche Feedbacks passen dann, wenn Führungskräftegespräche nicht an einen festen Zeitraum gebunden sind, sondern nur definiert ist, dass sie einmal pro Jahr stattfinden. Die Führungskraft steuert den Zeitpunkt selbst und nutzt das Feedback als Vorbereitung.

Beide Logiken lassen sich auch kombinieren, etwa mit einer wellenbasierten Einführung, die anschließend in einen kontinuierlichen Betrieb übergeht. Entscheidend ist, dass der Prozess zur Steuerungslogik der Organisation passt und nicht umgekehrt.

Typische Rücklaufquoten bei Führungskräfte-Feedbacks liegen bei 70 bis 90 Prozent, deutlich höher als bei Mitarbeitendenbefragungen, weil der persönliche Bezug stärker ist.

Unser Vorgehen bei Führungskräfte-Feedbacks

Konzeption und Fragebogenentwicklung

Welche Führungskompetenzen sollen gespiegelt werden? Gibt es ein bestehendes Leitbild oder Kompetenzmodell, das als Grundlage dient? Wenn nicht, entwickeln wir es gemeinsam mit Ihnen.

Prozessdesign und Kommunikation

Wer gibt wem Feedback? Wie werden Führungskräfte auf das Feedback vorbereitet? Die Kommunikation entscheidet darüber, ob das Instrument als Entwicklungschance oder als Bedrohung wahrgenommen wird. Für die Anonymität der Feedbackgeber arbeiten wir mit Mindestgruppengrößen von 3 bis 5 Personen pro Perspektive.

Durchführung und Ergebnisaufbereitung

Jede Führungskraft erhält einen individuellen Ergebnisbericht mit Selbst-Fremd-Vergleich, Stärken, Entwicklungsfeldern und konkreten Ansatzpunkten. Je nach Format fließen unterschiedliche Perspektiven ein.

Ergebnisbegleitung und Entwicklung

Die Ergebnisse allein verändern nichts. Entscheidend ist, was danach passiert: individuelle Reflexion, Feedbackgespräche im Team, Ableitung konkreter Entwicklungsschritte. Wir begleiten diesen Prozess auf Wunsch mit Coachings, moderierten Gesprächen oder Workshops.

„Für Technologien. Besonders wertvoll war die Unterstützung bei der die Durchführung von Mitarbeitendenbefragungen gelang mehrfach eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Firma Priotas. Das methodische Vorgehen sowie der Einsatz entsprechender Technologie waren besonders effizient und unterstützend. Auch hervorzuheben ist die gute Kommunikation mit Projektverantwortlichen der Firma PRIOTAS.“

Nadine Andres, Personalabteilung, Jobcenter Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Wie Führungskräfte-Feedback mit Mitarbeitendenbefragungen zusammenwirkt

Eine Mitarbeitendenbefragung zeigt, wie Führung insgesamt bewertet wird. Ein Führungskräfte-Feedback zeigt der einzelnen Führungskraft, wie sie persönlich wahrgenommen wird. Beides zusammen ergibt ein vollständiges Bild: Die MAB liefert das Gesamtbild und die Prioritäten, das Führungskräfte-Feedback liefert den individuellen Entwicklungsansatz.

In der Praxis lassen sich beide Instrumente so verzahnen, dass die MAB die übergreifenden Handlungsfelder bei Führung identifiziert und das Führungskräfte-Feedback den individuellen Entwicklungsprozess anstößt. So entsteht eine durchgängige Logik von der Diagnose bis zur persönlichen Entwicklung.

Typische Fehler bei Führungskräfte-Feedbacks und wie wir sie vermeiden

Feedback ohne Konsequenz:

Die Ergebnisse werden ausgehändigt, aber es gibt keinen Prozess für die Arbeit damit. Führungskräfte bleiben mit ihren Berichten allein.

Anonymität nicht glaubwürdig:

Wenn Feedbackgeber befürchten, identifiziert zu werden, antworten sie taktisch statt ehrlich. Vor allem bei kleinen Teams ein kritischer Punkt.

Fragebogen am Leitbild vorbei:

Die Fragen spiegeln nicht die Führungserwartung der Organisation. Das Feedback wird als generisch empfunden und erzeugt keine Relevanz.

Ergebnisse landen bei HR statt bei der Führungskraft:

Wenn der Bericht primär als Bewertungsinstrument wahrgenommen wird, ist das Vertrauen zerstört. Führungskräfte-Feedback ist ein Entwicklungsinstrument, kein Beurteilungsinstrument.

Ergebnisse an Boni koppeln:

Sobald Feedbackergebnisse vergütungsrelevant werden, verändert sich das Antwortverhalten. Die Ergebnisse werden besser, die Führungskultur nicht. Typische Folge: geringere Streuung, Tendenz zur Mitte, sozial erwünschte Antworten. Das Instrument verliert genau das, was es wertvoll macht: Ehrlichkeit.

Einmalig statt wiederkehrend:

Ein einzelnes Feedback zeigt den Status quo. Erst die Wiederholung macht Entwicklung sichtbar und gibt der Führungskraft die Möglichkeit, Veränderungen zu überprüfen.

Kontakt

Führungskräfte-Feedback einführen, weiterentwickeln oder neu ausrichten?

Ob Sie ein Führungskräfte-Feedback zum ersten Mal aufsetzen oder ein bestehendes System weiterentwickeln möchten, sprechen wir gern mit Ihnen über Format, Prozesslogik und Einbindung in Ihre Führungsentwicklung.

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Wir freuen uns über einen Anruf
Tel: +49 (221) 300636-0
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Häufige Fragen zum Führungskräfte-Feedback

Hier finden Sie Antworten auf typische Fragen aus der Praxis, von der Planung über die Durchführung bis zum Follow-up.

1. Was muss ich intern vorbereiten, bevor ein Führungskräfte-Feedback starten kann?

Ein Ansprechpartner mit Entscheidungskompetenz, Klarheit über die Zielgruppe (welche Führungskräfte nehmen teil?) und eine Grundsatzentscheidung, ob das Feedback als Entwicklungsinstrument oder als Teil eines Beurteilungssystems positioniert werden soll. Wenn ein Kompetenzmodell oder Führungsleitbild existiert, ist das eine gute Ausgangsbasis. Wenn nicht, lässt sich das im Prozess erarbeiten.

2. Wie viele Feedbackgeber braucht eine Führungskraft?

Das hängt vom Format ab. Beim 180-Grad-Feedback sind es in der Regel die direkten Mitarbeitenden, also je nach Teamgröße ab 3 Personen. Beim 360-Grad-Feedback kommen Peers und die eigene Führungskraft dazu, typischerweise insgesamt 8 bis 15 Feedbackgeber. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern dass die Feedbackgeber die Führungskraft im Arbeitsalltag tatsächlich erleben.

3. Wie stellen wir sicher, dass Feedbackgeber ehrlich antworten?

Durch Anonymität und Vertrauen. Die Anonymität wird technisch über Mindestgruppengrößen abgesichert: Ergebnisse werden erst ab einer definierten Anzahl von Antworten pro Perspektive ausgewiesen. Mindestens genauso wichtig ist die Kommunikation: Feedbackgeber müssen wissen, dass ihre Antworten nicht auf Einzelpersonen zurückgeführt werden können und dass die Ergebnisse der Führungskraft gehören, nicht HR.

4. Wem gehören die Ergebnisse?

Das ist eine der wichtigsten Designentscheidungen. Wir empfehlen: Der individuelle Ergebnisbericht gehört der Führungskraft. Sie entscheidet, mit wem sie ihn teilt. Wenn HR oder die nächsthöhere Führungsebene automatisch Zugriff erhalten, verändert das den Charakter des Instruments grundlegend. Führungskräfte öffnen sich für Feedback, wenn sie die Kontrolle über ihre Ergebnisse behalten.

5. Wie lange dauert ein kompletter Feedbackprozess?

Von der Konzeption bis zum Ergebnisbericht rechnen wir mit vier bis zwölf Wochen, abhängig davon, ob ein Fragebogen neu entwickelt oder ein bestehender angepasst wird. Die Befragung selbst (Feldphase) dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. Die anschließende Ergebnisbegleitung (Coachings, Workshops, Teamgespräche) erstreckt sich je nach Umfang über mehrere Wochen bis Monate.

6. Ab wie vielen Führungskräften lohnt sich ein Führungskräfte-Feedback?

Es gibt keine Untergrenze. Auch einzelne Führungskräfte können ein individuelles Feedback durchlaufen. Ein systematisches Programm mit wellenbasierter Durchführung lohnt sich erfahrungsgemäß ab etwa 10 Führungskräften. Darunter ist ein individueller Ansatz oft pragmatischer.

7. Wie unterscheidet sich ein Führungskräfte-Feedback von der Führungsbewertung in einer Mitarbeitendenbefragung?

Eine Mitarbeitendenbefragung bewertet Führung auf Ebene von Organisationseinheiten: Wie wird Führung in Bereich X insgesamt wahrgenommen? Ein Führungskräfte-Feedback gibt einer einzelnen Führungskraft eine persönliche Rückmeldung aus mehreren Perspektiven. Das eine ist ein Diagnoseinstrument für die Organisation, das andere ein Entwicklungsinstrument für die Person. Beides zusammen ergibt den größten Nutzen.

8. Können Führungskräfte ihre Feedbackgeber selbst auswählen?

In vielen Formaten ja, zumindest teilweise. Die direkten Mitarbeitenden sind in der Regel gesetzt. Bei Peers oder anderen Perspektiven kann die Führungskraft Vorschläge machen, die dann von HR oder der Projektleitung geprüft werden. Wichtig ist eine Balance: Die Führungskraft soll relevante Feedbackgeber benennen können, aber keine reine Wohlfühlauswahl treffen.

9. Was passiert, wenn eine Führungskraft schlechte Ergebnisse bekommt?

Zunächst: Es gibt keine schlechten Ergebnisse, nur Entwicklungshinweise. Entscheidend ist der Prozess danach. Die Führungskraft braucht einen geschützten Rahmen, um die Ergebnisse zu reflektieren, idealerweise begleitet durch ein Coaching oder ein moderiertes Gespräch. Erst dann folgt die Frage, welche konkreten Schritte sinnvoll sind. Führungskräfte, die sich nach einem kritischen Feedback allein gelassen fühlen, verlieren das Vertrauen in das Instrument.

10. Lässt sich ein Führungskräfte-Feedback mehrsprachig durchführen?

Ja. Bei internationalen Organisationen übersetzen wir den Fragebogen in die benötigten Sprachen. Dabei achten wir darauf, dass die Übersetzungen nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich geprüft werden. Führungsbegriffe und -erwartungen sind kulturell geprägt und lassen sich nicht immer eins zu eins übertragen.

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