Aktualisiert am 09.09.2026
Eine Mitarbeitendenbefragung eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, Ergebnisse einzuordnen: interne Vergleiche, externe Benchmarks, Zeitvergleiche, Zusammenhangsanalysen und Unterschiede zwischen Organisationseinheiten.
Für Befragungsverantwortliche kann davon alles relevant sein. Bei Führungskräften muss stärker ausgewählt werden. Jede zusätzliche Information, mit der sie sich beschäftigen muss, kostet Zeit und Aufmerksamkeit.
Die Ergebnisaufbereitung sollte deshalb eine wesentlich strengere Frage beantworten: Welche Informationen helfen dieser Person bei der Entscheidung, woran sie arbeiten sollte?
Weniger kann hier deutlich mehr sein. Ein Dashboard mit möglichst vielen Auswertungs- und Vergleichsmöglichkeiten kann den Folgeprozess sogar zum Stillstand bringen. Wenn die Führungskraft am Ende selbst herausfinden muss, welche der vielen Informationen eigentlich relevant ist, passiert im Zweifel: gar nichts.
Das passt zu Erkenntnissen aus der Forschung zu Informationsüberlastung. Eine systematische Übersicht kommt unter anderem zu dem Schluss, dass geklärt werden sollte, welche Informationen für die Empfänger:innen tatsächlich relevant sind, und diese klar und adressatengerecht aufbereitet werden sollten.¹
Kurz gesagt: Gute Ergebnisaufbereitung zeigt nicht alles, was sich analysieren lässt. Sie führt relevante Informationen zusammen, priorisiert sie für die jeweilige Zielgruppe und macht deutlich, was daraus folgen sollte.
Mehr Auswertungen bedeuten nicht automatisch mehr Erkenntnis
Eine Führungskraft könnte ihre Ergebnisse beispielsweise mit der Gesamtorganisation vergleichen, mit einem externen Benchmark und mit der letzten Befragung. Zusätzlich lässt sich untersuchen, welche Themen besonders eng mit Engagement oder Commitment zusammenhängen.
Alle diese Einordnungen können sinnvoll sein. Sie können aber auch unterschiedliche Signale senden.
Ein Thema kann sich seit der letzten Befragung deutlich verbessert haben, im internen Vergleich trotzdem schwach ausfallen, einen externen Benchmark übertreffen und gleichzeitig stark mit dem Engagement zusammenhängen.
Für eine Führungskraft beantworten diese Informationen noch nicht die entscheidende Frage: Was soll ich daraus machen?
Gute Ergebnisaufbereitung besteht deshalb nicht darin, sämtliche verfügbaren Vergleichswerte und Analysen nebeneinanderzustellen. Die Informationen müssen zusammengeführt und für die jeweilige Zielgruppe eingeordnet werden.
Welche Ergebnisse braucht welche Zielgruppe?
Die Empfänger:innen einer Mitarbeitendenbefragung haben unterschiedliche Aufgaben. Entsprechend unterschiedlich sollten auch die Ergebnisse aufbereitet werden.
| Zielgruppe |
Was sie für den Folgeprozess braucht |
| Top-Management |
Gesamtbild der Organisation, zentrale Stärken und Risiken sowie organisationsweite Handlungsfelder, die top-down priorisiert und gesteuert werden sollten. |
| Mittleres Management |
Überblick über den eigenen Verantwortungsbereich, relevante Unterschiede zwischen Organisationseinheiten und Hinweise darauf, wo übergreifend unterstützt oder gesteuert werden sollte. |
| Operative Führungskräfte |
Wenige relevante Befunde für den eigenen Verantwortungsbereich, verständliche Einordnung und konkrete Ansatzpunkte für die Arbeit mit den Mitarbeitenden. |
| HR / Befragungsverantwortliche |
Breiterer analytischer Zugriff, um organisationsweite Muster zu erkennen, Zielgruppen zu unterstützen und den Folgeprozess insgesamt zu steuern. |
Die Unterschiede liegen damit nicht nur im Detailgrad. Die Zielgruppen haben unterschiedliche Aufgaben – und brauchen deshalb unterschiedliche Informationen.
Von einzelnen Ergebnissen zu einem Gesamtbild
Ein guter Ergebnisbericht oder ein gutes Dashboard sollte der Führungskraft nicht die Aufgabe überlassen, selbst aus zehn unterschiedlichen Analysen eine Schlussfolgerung zu bauen.
Gute Ergebnisaufbereitung verbindet drei Schritte:
- Zusammenführen: Was ergibt sich aus Mittelwerten, Vergleichen, Zusammenhängen und Unterschieden entlang der Organisationsstruktur in der Gesamtschau?
- Priorisieren: Welche Befunde sind für die jeweilige Zielgruppe tatsächlich relevant?
- Umsetzen: Was sollte daraus konkret folgen? Welche Themen haben Priorität und wie kann die weitere Arbeit aussehen?
Gute Ergebnisaufbereitung führt unterschiedliche Informationen zunächst zu einem Gesamtbild zusammen, priorisiert daraus die relevanten Befunde und übersetzt diese anschließend in konkrete nächste Schritte.
Ergebnisse für Ihre Organisationseinheit
Verdichtete Einordnung für die weitere Ergebnisarbeit
Gesamtbild
Entwicklungsmöglichkeiten und interne Zusammenarbeit zeigen den größten Handlungsbedarf.
Beide Themen werden vergleichsweise kritisch bewertet. Bei den Entwicklungsmöglichkeiten zeigt sich zusätzlich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Engagement. Führung und Arbeitsorganisation weisen dagegen gute Ergebnisse auf und gehören derzeit nicht zu den prioritären Handlungsfeldern.
ENTWICKLUNG
Weiterbildungsangebot bedarfsgerecht ausrichten
Prüfen Sie, welche Angebote tatsächlich benötigt werden und wo Zugang oder Transparenz verbessert werden sollten.
ZUSAMMENARBEIT
Zusammenarbeit an Schnittstellen verbessern
Klären Sie, an welchen Übergaben Informationsverluste oder unnötige Abstimmungsschleifen entstehen.
STÄRKE
Gute Führung weiter unterstützen
Die Ergebnisse geben aktuell keinen Anlass für ein prioritäres Handlungsfeld. Die guten Werte sollten erhalten werden.
Nächste Schritte
Berichtsleitfaden
Die wichtigsten Ergebnisse strukturiert mit den Mitarbeitenden besprechen.
Workshop-Toolbox
Handlungsfelder im Team konkretisieren und geeignete Maßnahmen entwickeln.
Beispielhafte Ergebnisaufbereitung in Corporate, dem Modul der PRIOTAS Intelligence Platform für komplexe Befragungen.
Welche Analysen helfen bei der Einordnung?
Welche Analysen sinnvoll sind, hängt von der Fragestellung und der Zielgruppe ab. Typische Möglichkeiten sind:
- Interne Vergleiche: Wie unterscheiden sich Organisationseinheiten voneinander oder vom Gesamtwert?
- Zeitvergleiche: Was hat sich seit der vorherigen Befragung verändert?
- Externe Benchmarks: Wie ist ein Ergebnis im Vergleich zu einer geeigneten Referenz einzuordnen?
- Zusammenhangsanalysen: Welche Themen stehen besonders eng mit Zielgrößen wie Engagement oder Commitment in Verbindung?
- Detailanalysen: Welche Einzelaspekte innerhalb eines Themenfelds helfen dabei, einen auffälligen Gesamtwert einzuordnen?
- Offene Angaben: Sie können Blind Spots sichtbar machen, die im geschlossenen Fragebogen nicht vorgesehen waren, und Erklärungsansätze für auffällige quantitative Ergebnisse liefern. Mehr dazu in unserem Beitrag „Offene Fragen im Rahmen der Mitarbeitendenbefragung“.
Keine dieser Analysen ist für sich automatisch die „richtige“. Ihr Nutzen entsteht dadurch, dass sie die jeweilige Fragestellung beantwortet und gemeinsam mit den übrigen Informationen zu einer nachvollziehbaren Einordnung führt.
Was brauchen Führungskräfte für den Folgeprozess?
Führungskräfte benötigen in der Regel keine vollständige analytische Werkzeugkiste. Sie müssen erkennen können:
- Was läuft in meinem Verantwortungsbereich gut?
- Wo besteht tatsächlich Handlungsbedarf?
- Welche Themen sollte ich priorisieren?
- Wie sind die Ergebnisse einzuordnen?
- Was sollte ich mit meinen Mitarbeitenden besprechen?
- Und wie komme ich von der Besprechung zu konkreten nächsten Schritten?
Die Ergebnisaufbereitung sollte diese Arbeit unterstützen, statt zusätzliche Analysearbeit bei der Führungskraft abzuladen.
Das ist besonders wichtig, weil viele Führungskräfte nur alle paar Jahre intensiv mit Ergebnissen einer Mitarbeitendenbefragung arbeiten. Was für Befragungsexpert:innen selbstverständlich ist, muss für Führungskräfte ohne lange Einarbeitung verständlich und nutzbar sein.
Wo Führungskräfte selbst mit den Ergebnissen weiterarbeiten sollen, helfen Leitfäden, Toolboxes oder moderierte Workshops dabei, die Ergebnisarbeit zu strukturieren und in Maßnahmen zu überführen; auch die Forschung zum Follow-up von Mitarbeitendenbefragungen unterstreicht die Bedeutung dieser anschließenden Ergebnis- und Maßnahmenarbeit.²
Dashboard, PowerPoint oder PDF?
Die Frage nach dem Format ist heute weniger entscheidend als früher. Dashboards haben klassische Berichte in vielen Organisationen ergänzt oder teilweise ersetzt. PowerPoint und PDF bleiben trotzdem sinnvoll, beispielsweise für Management-Präsentationen oder Ergebnisworkshops.
Die PRIOTAS Intelligence Platform bündelt unsere Lösungen für die Auswertung und weitere Arbeit mit Feedback- und Change-Daten. Ergebnisse können je nach Anforderung als interaktive Dashboards sowie als PowerPoint- und PDF-Berichte bereitgestellt werden.
Wichtiger als das Format ist die dahinterliegende Logik. Ein schlecht aufgebautes Dashboard wird nicht dadurch besser, dass es interaktiv ist. Und ein gut konzipierter Bericht kann sehr wirkungsvoll sein, wenn er die für seine Zielgruppe relevanten Informationen verdichtet.
Die Qualität entsteht durch Auswahl, Einordnung und Unterstützung bei der weiteren Arbeit – nicht durch die Zahl der verfügbaren Diagramme.
Ergebnisaufbereitung bei selbst durchgeführten Mitarbeitendenbefragungen
Wer eine Befragung selbst durchführt, sollte diese Einordnungsarbeit nicht vollständig selbst übernehmen müssen.
In Studio werden Befragungsergebnisse deshalb nicht nur dargestellt. Unterschiedliche Informationen werden zusammengeführt, Stärken und Handlungsfelder herausgearbeitet und daraus konkrete Empfehlungen für die weitere Arbeit abgeleitet.
Damit erhalten Befragungsverantwortliche und Führungskräfte Orientierung, ohne sich zunächst selbst durch eine Vielzahl unterschiedlicher Analyseoptionen arbeiten zu müssen.
Mitarbeitendenbefragungen selbst durchführen
Mit Studio führen Sie Mitarbeitenden- und Pulsbefragungen selbst durch. Die Software unterstützt vom methodisch fundierten Fragebogen über die Ergebnisaufbereitung bis zu Stärken, Handlungsfeldern und konkreten Handlungsempfehlungen.
Mehr zu Studio
Bei komplexen Befragungen reicht Software allein nicht immer aus
Bei großen oder komplexen Mitarbeitendenbefragungen kommen weitere Anforderungen hinzu: unterschiedliche Stakeholder, internationale Strukturen, individuelle Vergleichslogiken, Management-Präsentationen oder ein Folgeprozess, der persönlich begleitet werden soll.
Im Full Service entwickeln wir die Ergebnis- und Stakeholderlogik entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Kunden. Dazu beraten wir auch ganz konkret, welche Zielgruppen welche Ergebnisse sehen sollten und wie diese für die jeweilige Aufgabe aufbereitet werden müssen.
Die Ergebnisse stellen wir über Corporate bereit – unser Modul der PRIOTAS Intelligence Platform für komplexe Befragungen. Je nach Anforderung nutzen wir interaktive Dashboards, PowerPoint- oder PDF-Berichte. Darüber hinaus präsentieren und moderieren wir Ergebnisse persönlich vor Ort oder digital und begleiten Management und Führungskräfte bei der weiteren Ergebnisarbeit.
Ergebnisaufbereitung und Folgeprozess persönlich begleiten lassen
Im Full Service begleiten wir Ihre Mitarbeitendenbefragung von der Konzeption über Auswertung und Reporting bis zur persönlichen Ergebnispräsentation und Moderation des Folgeprozesses.
Mehr zu Mitarbeitendenbefragungen im Full Service
Fazit
Eine gute Ergebnisaufbereitung liefert nicht möglichst viele Informationen. Sie sorgt dafür, dass die richtige Person die richtigen Informationen erhält und daraus handeln kann.
Dafür müssen unterschiedliche Analysen zunächst zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammengeführt werden. Anschließend gilt es, die für die jeweilige Zielgruppe relevanten Befunde zu priorisieren und daraus konkrete nächste Schritte abzuleiten.
Gerade für Führungskräfte gilt dabei: Weniger Information kann zu mehr Handlung führen – wenn es die richtige Information ist.
Quellen und weiterführende Literatur
¹ Arnold, M., Goldschmitt, M. & Rigotti, T. (2023): Dealing with information overload: a comprehensive review. Frontiers in Psychology, 14:1122200. Zur Veröffentlichung
² Huebner, L.-A. & Zacher, H. (2021): Following Up on Employee Surveys: A Conceptual Framework and Systematic Review. Frontiers in Psychology, 12:801073. Zur Veröffentlichung