Mitarbeiterbefragung | 11.11.2015

Der Unternehmenslebenszyklus – ein Orientierungsrahmen für die strategische Ausrichtung der Mitarbeiterbefragung

Simone Weltzin
von Simone Weltzin

Wie bei der Entwicklung von Lebewesen lassen sich auch bei Organisationen typische, regelmäßig auftretende Phasen identifizieren. Bei Anwendung des sogenannten Lebenszyklusmodells auf Organisationen betrachtet man deren Entwicklung als würden sie ein Leben durchlaufen. Die Einordnung des Entwicklungsstands eines Unternehmens ermöglicht ein besseres Verständnis der jeweils aktuellen Situation, gibt Hinweise für die Organisationsentwicklung und hilft, mögliche Krisen zu prognostizieren sowie abzuwehren.

 

Mitarbeiterbefragung und Lebenszyklus

Grob unterteilen lässt sich der Unternehmenslebenszyklus in Phasen des Wachstums und des Alterns. Wenn ein Unternehmen aufhört zu wachsen, beginnt es zu altern – und stirbt irgendwann. Die Durchführung einer Mitarbeiterbefragung ist in den meisten Phasen sinnvoll: Probleme können diagnostiziert, priorisiert und bearbeitet sowie Potenziale und Stärken identifiziert werden. Gleichfalls hilft die Anwendung des Lebenszyklusmodells bei der Gestaltung des Erhebungsinstruments, Thesen für die Setzung inhaltlicher Schwerpunkte zu entwickeln.

 

Die einzelnen Phasen im Überblick

  • In der Gründungsphase wollen junge Unternehmen eine überlebensfähige Organisation aufbauen. Der Gründer versucht, das Umfeld von seiner Geschäftsidee zu überzeugen. Die Kommunikation nach innen und außen ist intensiv und persönlich, aber Aufgabenstrukturen und Verantwortlichkeiten sind häufig noch ungeklärt. Aus diesen Gründen ist die Durchführung einer Mitarbeiterbefragung in dieser Phase unüblich. 
  • Im Mittelpunkt der Anfangsphase steht das Produzieren von Ergebnissen. Prozesse, Budgets und Administration sind wenig ausgeprägt. Der Gründer trifft weiterhin alle Entscheidungen. Um in das nächste Stadium einzutreten, muss er sein Führungsverhalten ändern und mehr delegieren.
  • Der Verkauf der Produkte prägt die „Go-Go“-Phase. Das Unternehmen ist erfolgreich und wächst. Kehrseite ist aber häufig eine Ressourcenknappheit in der Fertigung beziehungsweise bei der Lieferung der Produkte und Dienstleistungen – was zur Überlastung und Frustration der Mitarbeiter und zu Qualitätsproblemen führen kann. Um solche Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten, wird das Feedback der Mitarbeiter erhoben, analysiert und gemeinsam diskutiert.
  • Die Phase des Heranwachsens ist gekennzeichnet durch Konflikte zwischen den alten und neuen Zielen und Arbeitsweisen. Mitarbeiter müssen sich vermehrt untereinander und mit der Unternehmensleitung synchronisieren. Tragfähige Strukturen werden notwendig, um Verantwortung auf mehrere Personen zu verteilen. Der Umsatz wächst, der Profit jedoch nicht – die Verbundenheit der Mitarbeiter sinkt, die Fluktuation nimmt zu. Schwerpunkte werden bei der Mitarbeiterbefragung auf Themen wie Werte, Zusammenarbeit, aber auch die psychische Gefährdung gesetzt.
  • Im Lebenszyklus ist die „Prime“-Phase der optimale Zustand. Alles ist „eingespielt“ und die Organisation besitzt die Flexibilität, Veränderungen effizient zu steuern. Mitarbeiter fühlen sich mit dem Unternehmen stark verbunden. Die Aufgabe von Feedback liegt insbesondere im Monitoren. Damit dient das Feedback als Frühwarnsystem: Halten Engagement und Commitment der Mitarbeiter weiterhin das hohe Niveau? Steht der Kunde noch immer im Fokus des Unternehmens?
  • Nach dem Verlassen der Prime-Phase kommt „The Fall“: Veränderungsbereitschaft und Engagement der Mitarbeiter sinken. Die Mitarbeiterbefragung macht diese negative Entwicklung transparent und kann somit die Dringlichkeit erzeugen, entsprechende Optimierungsschritte einzuleiten.
  • Die Aristokratie-Phase ist geprägt durch zunehmende Distanz zum Kunden. Interaktion findet, im Gegensatz zu den Wachstumsperioden, vermehrt innerhalb der Organisation statt. Es werden Unternehmen aufgekauft, die innovative Produkte und Dienstleistungen besitzen. Analog zur „The Fall“-Phase kann das Feedback der Belegschaft maßgeblich zur Revitalisierung beitragen, indem es mögliche Probleme wie mangelnde Kundenorientierung oder unzureichende Innovationskraft aufdeckt. 
  • In der Bürokratie-Phase sind Umsatz und Profit spürbar zurückgegangen. Das Management sucht nach Verursachern. Engagierte und kreative Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, das sich vor allem um Administration kümmert. Es mangelt an Austausch und Abstimmungen. Im Mittelpunkt der Befragung stehen oftmals Unternehmensstrategie und Verantwortlichkeiten, insbesondere auch zwischen den Fachbereichen.
  • Mitarbeiterfeedback kann als Quelle konstruktiver Ideen in der letzten Phase „Death“ nicht mehr genutzt werden: Das Unternehmen befindet sich in Auflösung.

 

 

Fazit

Um nachhaltig erfolgreich zu sein, entwickeln sich Unternehmen ständig weiter. Die Mitarbeiterbefragung hilft, die benötigten Veränderungsprozesse über die einzelnen Wachstumsphasen zu begleiten. Nach Überschreiten der Prime-Phase können die Ergebnisse genutzt werden, die Notwendigkeit von Veränderungen zu unterstreichen und geeignete Maßnahmen zu entwickeln. Ziel ist es dann, in die Prime-Phase zurück zu gelangen.

 

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Weiterführende Literatur:

Weltzin, S. (2015). Einleitende Gedanken zur strategischen Ausrichtung unternehmensweiter Mitarbeiterbefragungen. In: Gehring, F., Schroer, J., Rexroth, H. & Bischof, A. (Hrsg.). Die Mitarbeiterbefragung – Wie Sie das Feedback Ihrer Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg nutzen (S. 26-31). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

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