Studien | 26.05.2021

Produktivitätsschub durch Home-Office?

Marcel Bruder
von Marcel Bruder

Produktivitätsschub durch Home-Office?

Home-Office: während viele Arbeitgeber bei dem Thema bis Anfang 2020 noch die Nase rümpften, ist die Arbeit von Zuhause für viele Unternehmen aufgrund der Corona-Situation nun ein Segen. Doch was bleibt vom Home-Office, wenn wir uns geimpft und wieder Maskenlos bewegen dürfen?

Wir diskutieren mit vielen Organisationen, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen wird. Zufriedenheit, Belastungsfaktoren, Einsparmöglichkeiten und Produktivität stehen dabei oft im Fokus. Im Folgenden fokussieren wir auf die Produktivität. Gerade über diese wird viel diskutiert und ebenso gestritten. Letzteres ist wenig erstaunlich, da die Erfahrungen einzelner stark auseinander gehen.

Dies sind die Einschätzungen aus unserer beruflichen Praxis. Zusätzlich haben wir uns verschiedene Studien mit – auf den ersten Blick - widersprüchlichen Ergebnissen angeguckt (Eine Auflistung der gesichteten Studien finden Sie am Ende dieses Artikels). Interessanterweise decken die Ergebnisse das komplette Spektrum ab: So wird sowohl von steigender, gleichbleibender und fallender Produktivität berichtet. Gleiche Effekte beobachten wir im Übrigen auch bei den Organisationen, für die wir tätig sind.

Macht das Sinn? Unbedingt! So freut sich bspw. der kinderlose Programmierer über eine Zeitersparnis von 90 Minuten für die sonst übliche Wegstrecke pro Tag, während die junge Mutter Home-Schooling und Home-Office in Einklang bringen muss.

Die Rahmenbedingungen machen also den Unterschied.

Individuelle Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

Es ist möglich, zu Hause in Ruhe zu arbeiten? Die Größe der Wohnung, Anzahl der Zimmer und die Anzahl der ebenfalls Heimgebliebenen sind relevant. Bei zwei Erwachsenen und einem schulpflichtigen Kind im Home-Schooling können verfügbare Arbeitsplätze schnell Mangelware werden. Noch spannender wird es, wenn alle drei zeitgleich zu Videokonferenzen geladen sind. Starke Auswirkungen auf die Produktivität hat die Entfernung zum Arbeitsort. Fällt die lange Anreise weg, neigen Mitarbeitende dazu, einen Teil der Zeitersparnis dem Beruf zu widmen. Darüber hinaus ist relevant, inwiefern die Mitarbeitenden in der Lage sind, sich selbst zu strukturieren.

Neben den individuellen Faktoren haben die Branche und die Art der Aufgaben großen Einfluss auf die Produktivität:

Es liegt auf der Hand - für weite Teile der Belegschaft aus dem Gesundheitswesen, der Landwirtschaft, dem Bauwesen oder der Logistik ist die Arbeit im Home-Office nicht möglich. Grundsätzlich lässt sich über die Branchen hinweg festhalten, dass die Tätigkeiten, die von Mitarbeitenden mit höherem Einkommen verrichtet werden, sich besser für das Home-Office eignen als niedriger bezahlte. So arbeiten knapp 60% der Erwerbstätigen im oberen Drittel der Einkommensverteilung von zu Hause aus. Im untersten Einkommensbereich sind es 17%. Ebenso wird im oberen Einkommesbereich von höherer Produktivität berichtet. Für Call-Center gilt dies jedoch nicht zwingend. So gab es bspw. im Callcenter einer Reiseagentur einen deutlichen Leistungsanstieg, nachdem die Belegschaft ins Home-Office gewechselt war. Ursächlich dafür: die deutlich ruhigere Arbeitsatmosphäre. Eben diese Umgebungseffekte sorgen letztlich auch dafür, dass kreative Aufgaben im Home-Office zu deutlich besseren Ergebnissen führen. Langweilige Aufgaben, an den von zu Hause gearbeitet wird, senken die Produktivität. Hier stellen schmutzige Fenster oder „die Wäsche“ eine starke Konkurrenz zur Erwerbstätigkeit dar.

Wir sehen, es sind eine Vielzahl von Faktoren, die in ihrem individuellen Zusammenspiel Einfluss auf die Höhe der Produktivität im Home-Office nehmen. So finden wir auch bei den Mitarbeitendenbefragungen unserer Kunden immer wieder überraschende Ergebnisse. Eine gute Basis, um die Rahmenbedingungen für eine bestmögliche Produktivität zu schaffen.

Sie möchten wissen, wie sie die Arbeit im Home-Office für Ihre Belegschaft optimal gestalten können und welche die Wirkmechanismen sind?

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Studien:

Ahlers, Elke; Mierich, Sandra; Zucco, Aline (2021): HOMEOFFICE. Was wir aus der Zeit der Pandemie für die zukünftige Gestaltung von Homeoffice lernen können. Hg. v. WSI-Report.

Baumann, Helge; Kohlrausch, Bettina (2021): Homeoffice: Potenziale und Nutzung. Aktuelle Zahlen aus der HBS-Erwerbspersonenbefragung, Welle 1 bis 4. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) (WSI Policy Brief, 52). Online verfügbar unter https://www.econstor.eu/handle/10419/231783.

Bloom, Nicholas; Liang, James; Roberts, John; Ying, Zhichun Jenny (2015): Does Working from Home Work? Evidence from a Chinese Experiment *. In: The Quarterly Journal of Economics 130 (1), S. 165–218. DOI: 10.1093/qje/qju032.

Bonin, Holger; Krause-Pilatus, Annabelle; Rinne, Ulf (2021): Arbeitssituation und Belastungsempfinden im Kontext der Corona-Pandemie. Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von abhängig Beschäftigten im Februar 2021 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Forschungsbericht, 570).

Deole, Sumit S.; Deter, Max; Huang, Yue (2021): Home Sweet Home: Working from home and employee performance during the COVID-19 pandemic in the UK. Essen: Global Labor Organization (GLO) (GLO Discussion Paper, 791). Online verfügbar unter https://www.econstor.eu/handle/10419/231328.

E. Dutcher (2012): The effects of telecommuting on productivity: An experimental examination. The role of dull and creative tasks. In: undefined. Online verfügbar unter https://www.semanticscholar.org/paper/The-effects-of-telecommuting-on-productivity%3A-An-of-Dutcher/04552266a35224a37a6ecc9fba9fbff427c25dba.

Etheridge, Ben; Wang, Yikai; Tang, Li: Worker productivity during lockdown and working from home: evidence from self-reports. In: ISER Working Paper Series (2020-12). Online verfügbar unter https://ideas.repec.org/p/ese/iserwp/2020-12.html.

EY (2021): Homeoffice in Österreich. Online verfügbar unter https://www.ey.com/de_at/workforce/wie-viel-homeoffice-bleibt-nach-der-corona-pandemie.

Grunau, Philipp; Ruf, Kevin; Steffes, Susanne; Wolter, Stefanie (2019): Mobile Arbeitsformen aus Sicht von Betrieben und Beschäftigten. Homeoffice bietet Vorteile, hat aber auch Tücken. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Herrmann, Mario; Frey Cordes, Regina (2020): Homeoffice im Zeichen der Pandemie: Neue Perspektiven für Wissenschaft und Praxis? Erfurt: IUBH Internationale Hochschule (IUBH Discussion Papers - Human Resources, 2/2020). Online verfügbar unter https://www.econstor.eu/handle/10419/217267.

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