Studien | 26.05.2021

Produktivitätsschub durch Home-Office?

Produktivitätsschub durch Home-Office?
Marcel Bruder
von Marcel Bruder

Aktualisiert am 14.09.2026

Ist Homeoffice produktiver als die Arbeit im Büro? Die Frage wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Inzwischen gibt es deutlich bessere Daten als noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Ergebnisse zeigen vor allem, wie stark Produktivität von Tätigkeit, Arbeitsumgebung, Zusammenarbeit und dem jeweiligen Homeoffice-Anteil abhängt.

Homeoffice ist in Deutschland längst etabliert. Seit 2022 arbeitet ungefähr ein Viertel der Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause; im Februar 2026 waren es 24,3 Prozent.¹

Kurz gesagt: Homeoffice kann die Produktivität erhöhen, vor allem bei Tätigkeiten, die konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Gleichzeitig brauchen Zusammenarbeit, Wissensaustausch und soziale Interaktion gemeinsame Zeit. Welche Mischung gut funktioniert, hängt deshalb von der jeweiligen Organisation und ihren Tätigkeiten ab.

Ist Homeoffice produktiver als die Arbeit im Büro?

Eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und der Techniker Krankenkasse liefert dazu ungewöhnlich konkrete Daten. Über zwei Jahre wurde die Produktivität von rund 11.000 Mitarbeitenden mit Sachbearbeitungstätigkeiten und Kundenkontakt untersucht. Gemessen wurden unter anderem bearbeitete Kundenanliegen und Kundentelefonate.²

Bei diesen Tätigkeiten lag die messbare Produktivität im Homeoffice durchschnittlich rund 20 Prozent höher als im Büro. Die Forschenden weisen allerdings auf einen wichtigen Punkt hin: 20 Prozent mehr bearbeitete Vorgänge bedeuten nicht automatisch 20 Prozent mehr Gesamtproduktivität.

Ein Teil der Bürozeit wird für fachlichen Austausch, informelle Gespräche und Zusammenarbeit genutzt. Diese Zeit fehlt zwar für unmittelbar messbare Vorgänge, kann aber wichtige Informationen liefern und die weitere Arbeit unterstützen.

Homeoffice und Büro haben damit unterschiedliche Stärken. Zu Hause kann mehr Zeit für konzentrierte Aufgaben bleiben, während gemeinsame Bürozeit stärker für fachlichen Austausch, Abstimmung und Zusammenarbeit genutzt werden kann.

Hybrides Arbeiten kann funktionieren, ohne Leistung zu kosten

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine 2024 in Nature veröffentlichte randomisierte Studie. Untersucht wurden 1.612 Mitarbeitende eines großen Technologieunternehmens. Ein Teil der Mitarbeitenden arbeitete zwei Tage pro Woche zu Hause, die Vergleichsgruppe fünf Tage im Büro.³

Nach sechs Monaten und einer anschließenden längeren Beobachtung zeigte sich bei Leistungsbeurteilungen, Beförderungen und der gemessenen Leistung von Softwareentwickler:innen kein Leistungsnachteil durch das hybride Modell. Gleichzeitig stieg die Arbeitszufriedenheit und die Kündigungsrate sank um rund ein Drittel.

Interessant ist auch die Einschätzung der Führungskräfte: Vor Beginn des Experiments erwarteten sie im Durchschnitt einen negativen Produktivitätseffekt durch hybrides Arbeiten. Nach dem Experiment bewerteten sie dessen Einfluss leicht positiv.

Bereits eine frühere randomisierte Studie desselben Forschungsteams hatte gezeigt, dass Homeoffice unter passenden Bedingungen deutliche Vorteile haben kann. In einem chinesischen Callcenter führte die Arbeit von zu Hause zu einer Leistungssteigerung von 13 Prozent. Ein Teil davon entstand durch mehr tatsächlich geleistete Arbeitszeit, ein weiterer durch mehr bearbeitete Anrufe pro Minute. Als eine Erklärung nannten die Forschenden die ruhigere Arbeitsumgebung.⁴

Warum unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen Unternehmen?

Unter dem Begriff Homeoffice werden sehr unterschiedliche Tätigkeiten, Arbeitsbedingungen und Organisationsmodelle zusammengefasst. Entsprechend unterschiedlich können auch die Auswirkungen auf die Produktivität ausfallen.

Auch in unseren Mitarbeitendenbefragungen sehen wir kein einheitliches Bild. In manchen Organisationen wird konzentriertes Arbeiten zu Hause deutlich positiver erlebt. An anderer Stelle zeigen sich Schwierigkeiten beim Informationsfluss, bei der Zusammenarbeit oder beim informellen Austausch.

Für die Produktivität spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

Faktor Homeoffice kann Vorteile haben, wenn ... Präsenz kann Vorteile haben, wenn ...
Konzentration zu Hause störungsärmer gearbeitet werden kann. zu Hause wenig Platz oder viel Ablenkung vorhanden ist.
Zusammenarbeit Aufgaben weitgehend eigenständig bearbeitet werden können. häufige spontane Abstimmung erforderlich ist.
Informationsfluss Informationen digital gut zugänglich und Prozesse klar sind. viel Wissen informell zwischen Kolleg:innen weitergegeben wird.
Arbeitsweg lange Pendelzeiten entfallen. der Arbeitsweg kurz ist und das Büro gute Arbeitsbedingungen bietet.
Aufgabe längere Phasen konzentrierter Einzelarbeit notwendig sind. gemeinsames Entwickeln, Lernen oder Abstimmen im Vordergrund steht.

Wie viel Homeoffice ist produktiv?

Eine allgemeingültige Prozentzahl lässt sich aus der Forschung nicht ableiten.

In der aktuellen Fraunhofer-/TK-Untersuchung stieg die Gesamtproduktivität zunächst mit zunehmendem Homeoffice-Anteil. Bei einem Anteil von ungefähr 60 Prozent zeigte sich im untersuchten Unternehmen jedoch ein Wendepunkt: Bei noch mehr Homeoffice nahm die Produktivität wieder ab. Die Forschenden führen dies unter anderem darauf zurück, dass fachlicher und sozialer Austausch zunehmend fehlt.²

Die 60 Prozent sind keine allgemeine Empfehlung. Der Wert stammt aus einer konkreten Organisation mit bestimmten Tätigkeiten, Prozessen und Arbeitsbedingungen. Fraunhofer weist selbst darauf hin, dass die passende Mischung vom Unternehmen und seinen Tätigkeitsbereichen abhängt.

Die Nature-Studie zeigt wiederum, dass zwei Homeoffice-Tage pro Woche bei den untersuchten Tätigkeiten keine Leistungseinbußen verursachten.³

Für Unternehmen spricht deshalb viel dafür, mit einem hybriden Modell zu arbeiten und anschließend zu prüfen, wie gut dieses Modell für die eigenen Tätigkeiten funktioniert.

Die Tätigkeit allein entscheidet nicht

Aus unserer Erfahrung ist es zu einfach, Beschäftigte nur nach Berufsgruppen einzuteilen und daraus eine Homeoffice-Regel abzuleiten. Selbst innerhalb derselben Funktion können sich Arbeitsbedingungen erheblich unterscheiden.

Eine Person kann zu Hause ein separates Arbeitszimmer haben und dort hoch konzentriert arbeiten. Eine andere Person erledigt dieselbe Tätigkeit am Küchentisch. Ein Team hat seine digitale Zusammenarbeit sehr gut organisiert, während in einem anderen wichtige Informationen vor allem in spontanen Gesprächen weitergegeben werden.

Auch der Arbeitsweg spielt eine Rolle. Beschäftigte mit längeren Pendelwegen profitieren stärker davon, einzelne Arbeitstage zu Hause verbringen zu können. Gleichzeitig kann gemeinsame Präsenz für bestimmte Aufgaben, Abstimmungen oder die Zusammenarbeit im Team besonders wertvoll sein.

Eine unternehmensweit einheitliche Homeoffice-Regel kann deshalb für verschiedene Gruppen sehr unterschiedliche Auswirkungen haben.

Wie können Unternehmen herausfinden, was für sie funktioniert?

Allgemeine Studien liefern wichtige Orientierung. Welche Regelung in der eigenen Organisation funktioniert, sollte zusätzlich mit den eigenen Daten überprüft werden.

Aus unserer Beratungspraxis empfehlen wir, mehrere Perspektiven gemeinsam zu betrachten: objektive Leistungsdaten, sofern geeignete Kennzahlen vorhanden sind, und die Erfahrungen der Mitarbeitenden mit ihren jeweiligen Arbeitsbedingungen.

Eine Mitarbeitendenbefragung kann beispielsweise untersuchen:

  • wo Mitarbeitende konzentriert und produktiv arbeiten können,
  • wie Zusammenarbeit und Abstimmung funktionieren,
  • ob relevante Informationen unabhängig vom Arbeitsort verfügbar sind,
  • wie Führung im hybriden Arbeitsalltag erlebt wird,
  • welchen Einfluss die Arbeitsform auf Belastung und Vereinbarkeit hat,
  • und ob sich die Erfahrungen zwischen Tätigkeiten oder Teilen der Organisation unterscheiden.

Die Unterschiede innerhalb einer Organisation sind aus unserer Erfahrung häufig besonders aufschlussreich. Wenn eine Arbeitsform für eine Gruppe sehr gut funktioniert und eine andere Gruppe deutliche Schwierigkeiten berichtet, hilft ein unternehmensweiter Durchschnittswert bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen nur begrenzt weiter.

Ebenso wichtig sind die Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen. Wird produktives Arbeiten im Homeoffice beispielsweise kritisch bewertet, kann dahinter eine ungeeignete technische Ausstattung stehen. Ebenso denkbar sind fehlender Informationsfluss, schwierige Abstimmungen, eine ungeeignete häusliche Arbeitsumgebung oder unklare Erwartungen durch die Führung.

Für die Gestaltung hybrider Arbeit ist deshalb wichtig zu verstehen, warum Homeoffice für bestimmte Mitarbeitende und Tätigkeiten gut oder weniger gut funktioniert.

Welche Arbeitsbedingungen funktionieren in Ihrer Organisation?

Wenn Sie selbst untersuchen möchten, wie Mitarbeitende Homeoffice, Zusammenarbeit, Führung und Arbeitsbedingungen erleben, können Sie eine Mitarbeitendenbefragung selbst erstellen und durchführen. Ziele und Themen geben Sie vor; Fragebogen, Auswertung und konkrete Handlungsempfehlungen werden systematisch unterstützt.

Bei größeren Organisationen, komplexen Strukturen oder besonderen Anforderungen an Auswertung und Folgeprozess können Sie Ihre Mitarbeitendenbefragung von der Konzeption bis zum Folgeprozess begleiten lassen. Dabei verbinden wir Befragungsmethodik mit unserer Erfahrung aus mehr als 1.500 Feedbackprojekten und systemischer Change-Beratung.

Fazit: Zwei Tage Homeoffice sind ein guter Ausgangspunkt

Homeoffice kann bei geeigneten Tätigkeiten sehr produktiv sein. Gleichzeitig braucht produktive Arbeit gemeinsame Zeit für Austausch, Abstimmung, Lernen und Zusammenarbeit.

Für viele klassische Büro- und Wissensarbeitsplätze halten wir zwei Homeoffice-Tage pro Woche deshalb für eine sinnvolle Daumenregel. Für ein solches hybrides Modell gibt es inzwischen gute empirische Hinweise. Drei Tage können ebenfalls gut funktionieren. Mit zunehmendem Homeoffice-Anteil wird jedoch wichtiger, wie fachlicher und sozialer Austausch organisiert wird.

Diese Daumenregel ist kein allgemeingültiges Optimum. Tätigkeiten, Arbeitsbedingungen und die Organisation der Zusammenarbeit unterscheiden sich zu stark. Unternehmen sollten deshalb beobachten, wie sich ihre Regelung auf Produktivität, Zusammenarbeit, Belastung und Informationsfluss auswirkt und bei Bedarf nachsteuern.

Die entscheidende Frage lautet am Ende nicht: Wie viele Homeoffice-Tage sind erlaubt? Hilfreicher ist: Unter welchen Bedingungen können unsere Mitarbeitenden ihre Arbeit am besten erledigen?


Quellen und weiterführende Literatur

¹ ifo Institut (2026): Homeoffice-Anteil bleibt stabil bei knapp 25%. ifo Konjunkturumfrage vom 2. März 2026. Zur Veröffentlichung

² Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO & Techniker Krankenkasse (2026): Höhere Produktivität im Homeoffice? Untersuchung zur Produktivität und Zufriedenheit im FlexOffice-Modell der Techniker Krankenkasse. Zur Studie

³ Bloom, N., Han, R. & Liang, J. (2024): Hybrid working from home improves retention without damaging performance. Nature, 630, 920–925. Zur Veröffentlichung

⁴ Bloom, N., Liang, J., Roberts, J. & Ying, Z. J. (2015): Does Working from Home Work? Evidence from a Chinese Experiment. The Quarterly Journal of Economics, 130(1), 165–218. Zur Veröffentlichung

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