Stress ist eine natürliche körperliche und psychische Reaktion auf Anforderungen und belastende Situationen. Der Körper schaltet gewissermaßen in Alarmbereitschaft. Das ist nicht grundsätzlich negativ: Kurzfristiger Stress kann dabei helfen, schnell zu reagieren und Herausforderungen zu bewältigen.¹
Dabei werden unter anderem Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet. Herzschlag und Aufmerksamkeit verändern sich und der Körper stellt Energie zur Verfügung. Hält starker Stress jedoch an, kann sich die Wirkung umkehren. Besonders komplexe geistige Leistungen wie Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit und flexibles Denken können unter Stress beeinträchtigt werden.² Ein gestresster Mensch greift dann eher auf vertraute Handlungsmuster zurück, während es schwerer fallen kann, komplexe Situationen flexibel zu bewältigen.
Stress: Gefahr für die Gesundheit
Ein dauerhaft erhöhter Stresspegel kann die körperliche und psychische Gesundheit beeinträchtigen. Mögliche Folgen reichen von Schlaf- und Konzentrationsproblemen, Kopf- und anderen körperlichen Beschwerden bis hin zu psychischen Problemen. Die WHO weist darauf hin, dass anhaltender Stress bestehende gesundheitliche Probleme verschlechtern und unter anderem mit Angst- und depressiven Symptomen einhergehen kann.¹
Auch längerfristige hohe Belastungen im Arbeitskontext sind gesundheitlich relevant. Eine Meta-Analyse prospektiver Studien mit mehr als 230.000 Teilnehmenden fand beispielsweise bei hoher Arbeitsbeanspruchung ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen.³
Chronischer Stress am Arbeitsplatz kann außerdem zu Erschöpfung beitragen. Burn-out wird von der Weltgesundheitsorganisation als arbeitsbezogenes Phänomen beschrieben, das aus chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Stress am Arbeitsplatz entstehen kann. Kennzeichnend sind unter anderem Erschöpfung, zunehmende mentale Distanz zur Arbeit und eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit.⁴
Stress: Mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung den Auslösern auf der Spur
Für Stresszustände gibt es viele mögliche Auslöser: Leistungsdruck, Überforderung, Zeitdruck oder eine dauerhaft hohe Arbeitsmenge sind Beispiele für Stressoren des Berufsalltags. Auch ein unangenehmes Arbeitsklima und Spannungen zwischen Kolleg:innen können sich negativ auswirken. Lange Anfahrtswege stellen für Pendler:innen häufig eine zusätzliche Belastung dar.
Einen weiteren Stressfaktor kann eine hohe Informationsmenge darstellen. Wer bei der Arbeit fortlaufend viele Informationen verarbeiten muss, häufig unterbrochen wird oder ständig erreichbar sein soll, kann dadurch erheblich belastet werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nennt hohe Informationsmengen sowie häufige oder langandauernde Unterbrechungen ausdrücklich als relevante Aspekte psychischer Belastung bei der Arbeit.⁵
Allerdings kann auch das Gegenteil belastend sein: Monotonie, Unterforderung und wenig Kontakt zu anderen Menschen. Wie stark Arbeitsbedingungen beanspruchen, hängt unter anderem von Art, Intensität und Dauer der Belastung sowie den jeweiligen Voraussetzungen der Beschäftigten ab.⁵
Inwiefern Arbeitsbedingungen eine Gefährdung für die Beschäftigten darstellen können, lässt sich mithilfe einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung systematisch untersuchen. Dabei stehen die Bedingungen der Arbeit im Mittelpunkt: beispielsweise Arbeitsmenge und Zeitdruck, Handlungsspielräume, Arbeitsabläufe, soziale Beziehungen oder die Unterstützung durch Führungskräfte.⁵
Neben belastenden Bedingungen lohnt sich auch der Blick auf vorhandene Ressourcen. Handlungsspielräume oder soziale Unterstützung können beispielsweise dazu beitragen, zeitweise hohe Arbeitsintensität besser aufzufangen.⁶ Das erweitert den Spielraum bei der Entwicklung geeigneter Maßnahmen.
Psychische Belastungen im Unternehmen systematisch untersuchen
PRIOTAS begleitet Organisationen bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung von der Planung und Auswahl des passenden Vorgehens über die Erhebung und Auswertung bis zur Entwicklung geeigneter Maßnahmen und der Wirksamkeitskontrolle.
Auf unserer Themenseite zeigen wir, wie eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung aufgebaut werden kann und wie wir Organisationen bei der Umsetzung unterstützen.
Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung mit PRIOTAS umsetzen
Stress reduzieren: Geeignete Maßnahmen
Grundsätzlich stehen Organisationen eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, um arbeitsbedingte psychische Belastungen zu reduzieren. An erster Stelle steht die Prävention. Entscheidend ist dabei, zunächst die Ursachen in den Arbeitsbedingungen zu betrachten und anschließend passende Maßnahmen abzuleiten.
Stressoren aufspüren und reduzieren
Durch die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung lässt sich herausfinden, welche Arbeitsbedingungen zu einer hohen Belastung beitragen. Darüber hinaus können Ressourcen identifiziert werden, die helfen, mit unvermeidbaren Anforderungen besser umzugehen.
Rahmenbedingungen anpassen
Die Gestaltung der Arbeitszeit kann beispielsweise eine wichtige Rolle spielen. Je nach Ursache können flexiblere Arbeitszeiten oder Veränderungen bei Arbeitsabläufen und Aufgabenverteilung entlasten.
Gegen Belastungen durch Monotonie oder Überforderung kann auch eine Anpassung der Aufgaben sinnvoll sein. So lässt sich die Tätigkeit abwechslungsreicher gestalten oder die Arbeitsmenge besser an die verfügbaren Ressourcen anpassen.
Es gibt allerdings Arbeitsanforderungen, die sich nicht vollständig vermeiden lassen. Beschäftigte in einem Call-Center werden beispielsweise immer wieder Gespräche mit unzufriedenen Kund:innen führen müssen. Gehören solche belastenden Situationen zum Arbeitsalltag, gilt es, die Rahmenbedingungen möglichst gut zu gestalten und unterstützende Ressourcen zu stärken.
Mit Stress umgehen lernen
Zurück zum Beispiel des Call-Centers: Trainings zum Umgang mit schwierigen Kund:innen können helfen, die eigenen Handlungsmöglichkeiten in belastenden Gesprächssituationen zu erweitern. Auch Gespräche mit Betriebspsycholog:innen oder Angebote zum Umgang mit Stress können sinnvoll sein.
Solche personenbezogenen Maßnahmen können unterstützen, sollten Veränderungen belastender Arbeitsbedingungen jedoch nicht ersetzen. Auch die WHO empfiehlt bei psychischen Risiken am Arbeitsplatz insbesondere organisationale Maßnahmen, die beispielsweise Arbeitsbelastung, Kommunikation oder Zusammenarbeit verbessern.⁷
Stressabbau fördern
Sport- und Entspannungsangebote können Beschäftigte zusätzlich beim Umgang mit Stress unterstützen: je nachdem, ob jemand sich beispielsweise beim Joggen bewegt oder beim Yoga entspannt. Ein Unternehmen kann entsprechende Angebote fördern. Auch hier gilt: Solche Angebote ergänzen die Gestaltung guter Arbeitsbedingungen, ersetzen sie aber nicht.
Fazit
Die Maßnahmen zur Minimierung oder Abpufferung psychischer Belastungsfaktoren sind vielfältig. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung hilft, an den richtigen Stellen anzusetzen und wirkungsvolle Maßnahmen zu identifizieren.